Sie befinden sich hier: Home > > Ambassador - Dr. Beat Richner (2009)

Deutsche Ausgabe

ISBN:

978-3-907668-80-1

Elster Verlag


Englische Ausgabe

ISBN:

978-3-907668-81-8

Elster Verlag

Kantha Bopha e.V. | Ambassador - Dr. Beat Richner (2009)


2009 erschien das Buch „Ambassador – zwischen Leben und Überleben“ von Dr. Beat Richner. Er berichtet darin über seine Arbeit und Erfahrungen in Kambodscha. Man kann es in jeder Buchhandlung bestellen.
Keine Rezension, sondern einige Gedanken und Informationen aus dem Buch:

1. „Was passiert, wenn Sie nicht mehr sind?“

Diese Frage wird Dr. Richner oft gestellt – nicht selten, um gleich darauf zum Thema „Nachhaltigkeit“ zu kommen. Um zu begründen, dass Kantha Bopha der falsche Ansatz sei. Wer so denkt, ignoriert die Tatsache, dass die in Kantha Bopha geleistete Hilfe einer unmittelbaren Notwendigkeit entspringt. Für viele Tausende Kinder in Kambodscha würde sich die Frage der Nachhaltigkeit gar nicht mehr stellen, weil sie tot wären. Wäre nicht die Frage angemessener, was die Staatengemeinschaft tun könnte, damit das Projekt Kantha Bopha nicht an einem einzelnen Menschen hängt?

2. Das Problem der Korruption

220 Mio USD fließen pro Jahr in das Gesundheitssystem Kambodschas. Aber 90% davon verschwinden. Es wäre also genug Geld da.
In den Kantha Bopha Spitälern wird jedes Kind korrekt behandelt. Trotzdem muss Beat Richner weiter um Spenden betteln. Denn Kantha Bopha - obwohl frei von jeder Korruption - wird zu fast 90% aus Privatspenden finanziert.

3. Chloramphenicol, Rocephin und die Gewinne von Roche

Die Verwendung von Chloramphenicol lehnt Dr. Richner ab. Zu viele Kinder sind in Kambodscha gestorben, weil das Mittel schwere Nebenwirkungen hat und weil es wegen der Resistenzen nicht wirkt. Rocephin dagegen ist ein Medikament das hilft. Aber es ist teuer. Für die Ampulle musste Kantha Bopha 11 USD zahlen. Erst 1999, nach drei Jahren, erfuhr Dr. Richner, dass Großhändler nur 4 USD zahlen mussten.15 Mio USD sind so verloren gegangen.

4. Die Dengue-Epidemie 2007

23000 Kinder mit schwerem Dengue-Fieber wurden im Jahre 2007 in Kantha Bopha hospitalisiert. Das Virus wird von der Stechmücke Aedes aegypti übertragen. Die Kinder wurden gerettet. Das kostete acht Millionen - mehr als die gesamte staatliche Hilfe für Kantha Bopha.
In der gleichen Zeit gab es einen einzigen Fall von Vogelgrippe. Dies führte zu einer sofortigen Reaktion der WHO. Aber an der Bekämpfung des Dengue-Fiebers - die möglich wäre - ist offenbar niemand interessiert. Die Mücken können von der Brutstätte, das sind stehende Gewässer, nur gut 100 Meter weit fliegen. Kantha Bopha hat die Adressen der kranken Kinder an die Behörden weiter gegeben. Man könnte die Larven bekämpfen, wie es in den Nachbarländern geschieht - wenn man wollte.

5. TBC oder "was heißt eigentlich Prävention?"

Das größte medizinische Problem Kambodschas ist die Tuberkulose (TBC). Sie wird meist nicht diagnostiziert und nicht behandelt. Aber der TBC-Infizierte steckt wieder andere Menschen an und er ist anfällig gegen alle Arten von Erregern. Die Prophylaxe gegen TBC ist die Behandlung aller Infizierten.

6. Japanische Hirnstammentzündung

Eine grauenhafte Krankheit - oft tödlich, bei den Überlebenden oft mit bleibenden Schäden. In Thailand und Südvietnam werden alle Kinder kostenlos geimpft. In Kambodscha blockiert die WHO die Impfung - zu teuer! Seit drei Jahren werden in Kantha Bopha Kinder geimpft - bis zu 3000 am Tag. Finanzielle Hilfe zur Unterstützung der Nachhaltigkeit - Fehlanzeige!

7. Ärzte wollen heilen

Aber das ist nicht immer leicht. In einem Land wie Kambodscha ist mit Barfuß-Medizin nicht viel zu machen. Man muss diagnostizieren können, z. B. TBC, man braucht Blutkonserven, die auf HIV getestet sind, und man braucht wirksame Medikamente.
Viele Ärzte der sog. 3. Welt arbeiten nicht in ihrer Heimat, weil die Arbeitsmöglichkeiten miserabel sind. Kantha Bopha hat noch keinen Arzt an den Westen verloren. Mit einer angemessenen Bezahlung und der Möglichkeit wirksamer medizinischer Hilfe, würden viele Ärzte in ihre Heimatländer zurückkehren. Aber die internationalen Hilfsorganisationen wollen das nicht - sie zahlen das Geld lieber an ausländische Mitarbeiter, die zehn mal mehr bekommen als die Einheimischen.

8. Hilfe oder Reparation?

Die schrecklichen Zustände in Kambodscha - Armut, zerstörte Infrastrukturen, fehlende Fachleute, Korruption und resistente Keime - sind ohne die Geschichte des Landes nicht erklärbar. Fünf führende Köpfe der Khmer Rouge sitzen heute auf der Anklagebank. Die Anklage von Nicht-Kambodschanern wurde von vorne herein ausgeschlossen. Das Verfahren kostet mehr als 100 Mio USD. Auf der Anklagebank fehlen: Frankreich als ehemalige Kolonialmacht, Japan wegen der grausamen Besetzung im WK II, die USA wegen der Flächenbombardements und der Mitverantwortung für das Regime Pol Pots, die VR China wegen Beihilfe zum Völkermord, Vietnam und die Länder des Warschauer Pakts wegen der achtjährigen Besetzung und die UNO wegen Anerkennung der Roten Khmer und unterlassener HIV-Prävention während des UNTAC-Mandats.

9. Der Segen moderner Medizin

Kantha Bopha verfügt in Siem Reap seit 2008 über einen Kernspintomographen (MRI). Bisher war die Untersuchung von Organen auf TBC nur mit Röntgenstrahlung, Kontrastmittel-Injektion und Anästhesie möglich. Dass TBC sogar reine Hirnstammentzündungen und reine Hirnhautentzündungen verursachen kann, war ohne MRI gar nicht feststellbar.

10. Korruption ist tödlich

Natürlich nicht direkt. Direkt tödlich kann eine Klebsiellen-Infektion werden. Diese holt man sich in einem Krankenhaus ("Spitalkäfer") in dem nicht hygienisch gearbeitet wird. In Kambodscha passiert das, wenn eine Injektionsnadel mehrfach verwendet wird, weil die neuen Nadeln fürs "private office" gestohlen werden. Die Neugeborenen-Abteilung der staatlichen Gebärklinik in Phnom Penh war zwei Monate zwecks Renovierung geschlossen. In dieser Zeit gab es keinen einzigen Klebsiellen-Fall, weil die Neugeborenen im Falle einer Erkrankung nach Kantha Bopha IV gebracht wurden.

11. Ein Tag in Kantha Bopha in Zahlen

21.08.2009: 1740 stationäre Patienten, 58 chirugische Operationen, 340 Aufnahmen, 352 Entlassungen gesunder Kinder, 2980 ambulante Behandlungen, 1840 Impfungen, 51 Geburten in der Maternité in Siem Reap.

12. Wofür das alles?

Beat Richners Kampf um eine nachhaltige Finanzierung Kantha Bophas ist oft zermürbend. Das vorhandene Geld reicht meist für etwa ein halbes Jahr. Der Spendenfluss darf nie abreißen. Gleichzeitig wird ständig weit mehr Geld in die Kanäle eines korrupten Systems geschüttet, als Kantha Bopha benötigen würde. Das Geld ist da - aber nicht die Einsicht es verantwortungsvoll zu verwenden. Aber gleichzeitig sieht Beat Richner jeden Tag geheilte Kinder, glückliche Eltern und die engagierte Arbeit der Kambodschaner. Jeden Tag ein Stück gelebte Gerechtigkeit und Achtung vor dem Menschen. In den Kantha-Bopha-Hospitälern stellt jedes Leben einen Wert dar. Und jeder Tag in Kantha Bopha ist ein Zeichen gegen die Ungerechtigkeit und ein Sieg der Mitmenschlichtkeit über die Habgier. Jeder für Kantha Bopha gespendete Euro ist es auch.

Sie befinden sich hier: Home > > Ambassador - Dr. Beat Richner (2009)

© 2010-2017 Kantha Bopha e.V. • ImpressumSitemapKontakt